Bira, Träume werden wahr

Der erste Halt unserer zweimonatigen Reise durch Indonesien war Sulawesi, um genau zu sein, Bira ganz im Süden von Sulawesi. Wir hatten das Land bis vor sechs oder sieben Wochen überhaupt nicht auf dem Schirm doch wie der Zufall will haben wir bei Instagram eine Hütte, den Strand und die Schildkrötenbilder gesehen und uns kurzer Hand für Bira entschieden. Es ging für uns also von Kuala Lumpur direkt nach Makassar, von Kuala Lumpur aus kann man glaube ich in 99% der Länder in SOA reisen. So klingelte unser Wecker um vier Uhr morgens und es ging zum Flughafen in KL wo unser Flug um sieben Uhr in Richtung Indonesien startete. Nach ca. zwei Stunden kamen wir in Makassar an. Wie in den meisten Ländern mussten wir uns vorher entscheiden welche Art Visum wir für Indonesien haben wollten, 30 Tage für umsonst oder 30 Tage inkl. der Option das Visum um weitere 30 Tage zu verlängern. Nach einigem Hin und Her entschlossen wir uns für das Visum mit Option auf Verlängerung, da es in Indonesien so wahnsinnig viel zusehen gibt. So kauften wir in der Immigration-Station unsere Visumsoption und fuhren mit dem vorbestellten Taxi nach Bira, denn wir hatten noch weitere 5 - 6 Stunden Fahrt vor uns. Doch das große geräumige Taxi mit einer halbwegs funktionierenden Klimaanlage und viel Platz machten die Zeit erträglich. Nach ungefähr der Hälfte der Strecke machten wir einen Stop in einem der zahlreichen indonesischen Warungs (das sind kleine Restaurants) und aßen eine Kleinigkeit zu Mittag, wir sind immer noch vorsichtig mit dem Essen wenn wir eine lange Fahrt vor uns haben, man weis ja nie was der Darm so vom Essen hält… Links sahen wir unzählige Reisfelder und Rechts den Ozean, welcher schon sehr viel versprach, die Landschaft erinnerte uns ein bisschen an Myanmar nur noch grüner. 

Um ca. 17 Uhr erreichten wir dann unsere Bungalowanlage und wir wurden nicht enttäuscht. Unser Bungalow hatte einen atemberaubenden Blick über das Meer, der absolute Knaller, wir konnten also mit dem Meerblick einschlafen und aufwachen und das für die nächsten sieben Nächte. Wie Ihr ja schon wisst sind die Anreisetage nie unsere besten Tage (aber da haben wir auf der bisherigen Reise gelernt, dass wir wohl nicht die einzigen sind denen es so geht) und so packten wir nur das nötigste aus, aßen noch eine Kleinigkeit in unserem Restaurant und gingen mit dem wunderbaren Blick über das Meer schlafen. Die Unterkunft war seit Indien die erste die keine Klimaanlage hatte, ich hatte dieses Mal mehr Probleme als Benni und so war es eine wirklich kurze Nacht, hinzu kam noch das ich schon die Tage zuvor wegen der Schildkröten sehr aufgeregt war. Unser Plan für die nächsten Tag war also die „Schildkröten-Jagd“. Schnorcheln, schlafen, essen gehen und wieder von vorne. 

Nach dem Frühstück, es gab Pancake mit Lemon & Zucker für Caro und einen Pancake mit Banane & Schoko für Benni, ging es für uns also direkt ins Wasser. Vor unserem Restaurant führte eine steile Holztreppe direkt ins Meer und zum „Hausriff“. So let’s go, voller Tatendrang ging es also ins Meer  doch der Weg zum Riff sah von oben kürzer aus als er war.. so kamen wir schon völlig erschöpft am Riff an machten nur zwei drei kurze Blicke nach untern und mussten postwendend wieder zurück. Da waren wir wohl ein wenig voreilig, zumal die Wellen wirklich hoch waren. Die Einheimischen auf unserer Terrasse haben wahrscheinlich gedacht:“ Was machen die beiden verrückten weißen da im Wasser…“. Völlig erschöpft mussten wir uns erstmal ausruhen und leider gingen wir also am ersten Tag ohne Schildkrötensichtung wieder ins Bett aber natürlich voller Tatendrang für den zweiten Tag und so startet unser zweiter Tag in Bira wie der erste, aufstehen, kleine Yogasession, Frühstück, verdauen, schnorcheln. Doch leider wurden wir auch am zweiten Tag enttäuscht, irgendwie sind wir anscheinend immer zu unruhig und zu hektisch. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Also mieteten wir uns nach dem Frühstück für einen kurzen Trip einen Roller, fuhren kurz in die „Stadt“ besorgten uns eine Cola und ein paar Snacks und cruisten eine Weile ohne Plan durch die Gegend. In Bira gibt es nicht sehr viel zu entdecken vor allen Dingen gibt es hier aber sehr  wenig Tourismus, alles ist noch sehr ursprünglich und alle leben in ihrem eigenen Rhythmus. Durch einen Tip fuhren wir am Ende unserer Tour an unserem Strand noch ein Stück weiter. Dort erwartete uns nach 20 Minuten buckeliger Schotterpiste ein wunderschöner, einsamer, kleiner Sandstrand den wir beide ganz für uns alleine hatten. Das coole an dem Strand war, das ringsherum überall kleine Höhleneingänge zusehen waren. Da wir immer alles dabei haben hieß es auch hier, Flossen an die Füße, Brille auf und rein ins Wasser. Es erwartete uns auch hier eine wunderschöne Unterwasserwelt, kleine Rochen, unzählige Fische und bunte Korallenfelder. Wo sind die Schildkröten ?  

Ein neuer Plan musste her und so buchten wir uns kurzer Hand  eine Schnorchel/Tauch Tour am nächsten Morgen. Fußläufig in 10 Minuten erreichbar (bei Ebbe in 5 Minuten über den weißen Sandstrand) befand sich die Tauchschule. Am nächsten Morgen ging es also um 08:30 Uhr aufs Wasser. Mit ein paar anderen Schnorcheln und einigen Tauchern machten wir uns auf den Weg zu einer der gegenüberliegenden kleine Inseln. Nach 35 Minuten erreichen wir den ersten Spot, die Taucher wurden nach einer kurzen Unterweisung vom finnischen Tauchlehrer ins Wasser geschmissen und auch wir, die Schnorcheln, sollten hier ins Wasser, meterhohe Wellen machten das Ganze ein wenig gruselig, doch die Unterwasserwelt war fantastisch UND wir mussten diesmal nicht so weit schwimmen. Nach 15 Minuten sammelte uns das Boot wieder ein und nach einer Stunde stießen auch die ersten Taucher wieder zu uns. Auf ging es zum zweiten Spot, der war 100 mal besser als der erste, vor allen Dingen für uns Schnorchler, Masken auf und los ging es. Herrlich!!! Die Sonne brachte das riesige Riff in diesem unglaublich kristallklaren Wasser noch mehr zum leuchten. Wir sahen einige Bumphead Fische (Unterwasser waren sie wirklich riesig), Flötenfische, Schwärme von kleinen schwarzen Fischen, Seesterne und kleine Rochen. Es war ein Traum und wir kamen unseren Schildkröten anscheinend immer näher. Über 1 Stunde verbrachten wir im Wasser, die Taucher waren in der Zeit auch wieder im Wasser. Nach dem alle eingesammelt wurden ging es nach 4 Stunden auf dem Boot wieder zurück zum Tauchcamp. Gemeinsam wurde dann noch zu Mittag gegessen (es gab Reis, Tofu und Gemüse) und wir entschieden uns kurzfristig den Trip am nächsten Tag noch mal zu machen. Das Ganze kostete uns übrigens nur 9 € pro Person inklusive Essen, Ausrüstung und Getränke und Snacks auf dem Boot, der Hammer. Mit den ganzen Eindrücken ging es für uns dann zurück in unserer Bungalow, duschen und dann verbrachten wir den restlichen Tag und Abend in der Hängematte und auf der Liege. 

Next Day, next chance… aber leider diesmal nicht so entspannt wie am ersten Tag. Benni hatte im Laufe der Nacht eine Ratte bei uns im Bungalow entdeckt und konnte danach keine einzige Minute die Augen mehr zu machen. Völlig übermüdet ging es nach dem Frühstück zum Boot. Die ersten beiden Spots vom zweiten Tag waren schön, aber im Gegensatz zum gestrigen nichts besonderes und so verbrachten wir nicht so viel Zeit im Meer, lernten aber auf die Weise ein älteres australisches Pärchen kennen mit denen wir sofort auf einer Wellenlänge waren. Olivier ging mit uns schnorcheln während Lindy tauchen ging. 

Der letzte Spot des Tages klang vielversprechend, wir befanden uns am Shark Point. Das Boot stoppte mitten auf dem Meer und es kamen wieder meterhohe Wellen auf uns zu. Doch wir wollten es versuchen und so ging es für uns ab rein in die Fluten und was uns dort erwartete war ein echtes Highlight. Unsere erste Schildkröte!!! Und zusätzlich unzählige Riffhaie die am Grund kreisten UND ein großer Rochen der sich im Sand versteckt hielt. Wir konnten unser Glück kaum fassen und machten so viele Fotos und Videos, dass die Gopro Unterwasser fast zu glühen begann. Total überwältigt und überglücklich ging es zurück aufs Boot (die meterhohen Wellen hatten wir übrigens total vergessen) Taucher einsammeln und zurück zum Camp, Mittagessen und dann mussten wir ganz schnell die Fotos und Videos auswerten. Ein Traum ist in Erfüllung gegangen, wenn nicht sogar mehr als das. Am Abend verabredeten wir und noch mit dem Aussie-Paar in dem Restaurant neben unserer Anlage. Hier hat ein malaiisches Mädel, wir schätzen sie so auf Mitte Ende 20 eine echte Wohlfühloase mit exzellentem Essen und Trinken geschaffen. Hier versackten wir dann für den Rest des Abends. Benni hatte aber natürlich den ganzen Tag die Ratte nicht vergessen und so  ging es schon übel gelaunt ins Bett, bewaffnet mit einem langen Selfistick und einer Lampe konnte er glaube ich ein paar Stunden schlafen.  Wir mussten allerdings fit sein, denn wir hatten uns vorgenommen erneut einen Versuch an unserem Hausriff zu wagen. Es gab an dem Tag fast keine Wellen (mein Knie hat auch mehrmals Bekanntschaft mit den Korallen gemacht) und die Sonne ließ sich ab und an blicken, die Voraussetzungen waren also perfekt, es war früh, die Sonne schien, es gab kaum Wellen und wir hatten eh schon so viele Glückshormone vom vorherigen Tag intus das eigentlich nichts schiefgehen konnte. 

Und was sollen wir sagen, es war DER perfekte Tag!! Wir haben bestimmt drei oder vier schlafende Schildkröten gesehen, die dann kurzer Hand vom Grund aufgestiegen sind und in kurzer Distanz an uns vorbei geschwommen sind, ich musste fast anfangen zu weinen, so glücklich war ich. Es nahm einfach kein Ende immer wieder tauchten aus der Tiefe Schildkröten auf und zeigten sich wenig beeindruckt von unserer Anwesenheit. Nach einer Weile stießen auch die beiden Aussies und Adeline (ein französischen Mädchen) zu uns und bestaunten mit uns diese Schönheiten. Zwei Stunden und 7-8 Schildkröten später verließen wir dann überglücklich das Wasser und verabredeten uns mit allen für einen kurzen Rollertrip am Nachmittag. 

 

Bira ist nämlich nicht nur für seine unglaubliche Unterwasserwelt bekannt sondern auch für seine ganz bestimmte Bootsbauweise. Wir fuhren ein kurzes Stück raus aus dem Ort und erreichten nach gut sieben km die so genannte Bootswerft (für uns Europäer war es einfach nur ein Strand an dem Schiffe gebaut werden). Es lagen bestimmt sechs Boote am Strand die allesamt noch im Bau waren, eines größer als das andere. Wir konnten unsere Münder kaum schließen denn die Schiffe waren riesig (schwer einzuschätzen aber die Dinger waren bestimmt 10 Meter hoch und 30 Meter lang) und komplett, bis in jedes einzelne Detail aus Holz gebaut. Ein netter Herr lud uns ein auf eines der Boote zu klettern und so gingen wir kurzer Hand über eine sehr wacklige Holz Konstruktion auf eines der riesigen Boote, er erklärte uns das die Bauzeit bei den meisten der Schiffe ca. 1 Jahr beträgt, das Holz kommt komplett aus Sulawesi oder Borneo und größtenteils werden die Schiffe von Europäern in Auftrag gegeben. Das größte der sechs Boote, auf dem wir auch standen, wird für einen Franzosen gebaut, der dies als Restaurant nutzen wird und es kostet stolze 500.000€ !!! Eine Summe die wir und vor allen Dingen die Einheimischen  sich kaum vorstellen können.  Ein wahres Schätzchen was dort gebaut wurde.

Den Abend haben wir dann alle gemeinsam noch in dem netten Restaurant neben unserer Anlage verbracht, es gab ein paar Bierchen, eine Kürbis Suppe und einen sehr  leckeren Tomatensalat. 

Am nächsten Tag hieß es dann für uns nach sieben Tagen im Paradies, Abschied nehmen. Wir haben die Zeit in Sulawesi sehr genossen und wir haben beschlossen, dass wir definitiv den Rest der Insel bei Zeiten noch sehen wollen. Die beiden Australier mussten ebenfalls Richtung Flughafen, sodass wir uns das Taxi Richtung Makassar teilen konnten. Wir haben die beiden wirklich sehr lieb gewonnen und freuen uns schon auf ein Wiedersehen in Sydney, wenn wir den Kontinent wechseln.

Für uns ging die Reise in Indonesien weiter und zwar Richtung Bali, wodrauf ich mich, Caro, schon sehr  freue, aber dazu dann mehr im nächsten Bericht :)

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Schwiegerpapa (Freitag, 05 Juli 2019 08:23)

    Wunder schöner Bericht von euch.Atemberaubende Bilder.Ich war von Anfang an ein großer Fan von euren Berichten und Bildern.Werde auch weiter hin eure Berichte und Bilder mit Spannung erwarten.

  • #2

    Gaby (Freitag, 05 Juli 2019 15:27)

    Wieder ein toller Bericht mit fantastischen Fotos. Einfach super und ich sage, vielen Dank ��

  • #3

    Sabine (Freitag, 05 Juli 2019 15:42)

    Eine Traumhafte Unterwasserwelt bin begeistert super Bilder � . Und die Ratte ��

  • #4

    Muh (Freitag, 05 Juli 2019 22:09)

    Sitze um 22 Uhr im Garten- es ist noch hell und lese euren Bericht - ganz in Ruhe - wie unglaublich schön ❤️.... und wenn ich meine erste � sehe werde ich auch � ���viele schöne Momente auf Bali für euch �

  • #5

    Micha (Samstag, 06 Juli 2019 11:25)

    Kuala Lumpur und Sulawesi sind mitreißend berichtet! Ich kann Euch zur Entdeckung der Unterwasserwelt nur gratulieren - Ihr habt aber auch bereits echte Sahnehäubchen erleben können! Viel Spaß auf Bali, das wird Euch gefallen, insbesondere Zentrum und Norden der Insel. Sucht mal nach einer Farm, die Kaffee produziert, der erst von Katzen wieder ausgekackt wird, ehrlich der erzielt weltweit Höchstpreise... (Die spinnen tatsächlich - in diesem Fall nicht nur die Asiaten!) Ich wünsche Euch weiter eine glückliche Reise und passt weiter gut auf Euch auf.

  • #6

    Moni + Uli (Sonntag, 07 Juli 2019 18:31)

    Hallöchen, das Video von Bira ist toll. Danke , dass wir so nett mit amüsanten Berichten, schönen Bildern und Vlogs an eurem Trip teilnehmen können.
    Viel Spaß auf Bali!

  • #7

    Irmgard (Donnerstag, 11 Juli 2019 18:37)

    Es ist immer wieder toll die Berichte von Euch zu lesen auch die Bilder sind alle toll so das man. die immer wieder ansehen kann freuen uns schon auf dem nächsten Bericht

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