Ha Giang Loop

Nach dem Weltnaturerbe Halong Bay ging es für uns zum weltbekannten Ha Giang Loop auf dem jährlich tausende Motorräder unterwegs sind um diese atemberaubende Landschaft hautnah zu erleben.

 

Ein Bus mit wirklich sehr bequemen Liegesitzen brachte uns in sechs Stunden von Hanoi in die Stadt Ha Giang im Norden. Hier beginnt eine Rundtour, die etwas weniger bekannt ist als der Sapa-Loop im Nordwesten oder die legendäre "Mae Hong Song“ Tour in Thailand. Die Hausdame aus unserem Hostel, die zugleich auch Motorräder und Roller für die Tour vermietet, ließ uns mit einer blitzblanken Suzuki, 125ccm, ein paar Runden auf der Hauptstraße drehen, um zu schauen, ob wir mit dem Motorrad zu recht kommen oder doch lieber einen Roller nehmen wollen. Entschlossen haben wir uns letztendlich für die Suzi, da wir mit der Gangschaltung die Berge sicher besser hochkommen werden als mit dem Automatik Roller, das Dilemma kennen wir ja schon aus Indonesien.

 

Um die Maschine noch ein bisschen besser kennenzulernen besuchten wir noch einen kleinen Wasserfall ein wenig ausserhalb der Stadt. Parken konnten wir dort bei einer sehr sehr alten Dame, die uns schon von weitem aus sah und zu sich lotste. Neben ihrem dicken Enkel lagen auch ungefähr fünf riesige Welpen auf dem Boden, die Hunde hier in Vietnam scheinen echt riesig zu werden. Das Haus der Dame lag direkt an den Ausläufen des Wasserfalls, einfach aber wunderschön. Wir mussten noch ein paar hundert Meter über ein Feld laufen und den Fluss überqueren bis wir den Wasserfall erreichten. Ein tief dunkelblaues, klares Wasserloch lag vor uns. Der Wasserfall fiel knapp 20 Meter in die tiefe und wäre es nicht so kalt gewesen wären wir auf jeden Fall schwimmen gegangen. Dort war es echt beeindruckend, wir waren ganz alleine und die Stimmung am Wasserfall war etwas ganz Besonderes.

 

 

Nach einer weiteren Nacht in Ha Giang wollten wir am nächsten Morgen früh los, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung, es war grau, feucht und es regnete den ganzen Morgen. Um ca. 10:00 Uhr wurde es dann ein wenig heller und wir schnürten schnell unseren kleinen Rucksack auf das Motorrad und nutzen die paar Sonnenstrahlen um loszudüsen. Da das Hotel auf diese Tour spezialisiert ist konnten wir unsere beiden großen Backpacks dort lassen und sind wirklich nur mit dem nötigsten gefahren. Nun aber schnell, aufsitzen und los.

 

Die erste Etappe war knapp 100 km lang und führte uns von Ha Giang nach Yen Minh. Die Streckenführung ist wirklich sehr einfach, wenn man sich einmal außerhalb der Stadt befindet führen einen die Wege eigentlich nur in eine Richtung. Wir überquerten blaue Flüsse, fuhren zwischen Felswänden hindurch die mich ein wenig an die Fahrt in den Schwarzwald erinnerten. Als wir die Stadt hinter uns ließen ging es auch direkt los auf die Serpentinen. Kilometerweit schlängelten wir uns die Berge rauf und runter. Wie überall in den Bergen ist das Wetter oberhalb natürlich immer schlechter als unten und so fuhren wir die meiste Zeit durch dichten Nebel. 

 

 

Unseren ersten Stopp machten wir am bekannten Quan Ba (Quan Ba heißt Himmelstor). Die vor uns liegenden Felsen wurden von der Unesco zum schützenswerten Geopark erklärt und dies auch zurecht, der Ausblick aus dem netten Kaffee auf der Spitze war wirklich toll. Wir hatten Glück das sich hier die Sonne einen kurzen Augenblick zeigte. Nach einem wärmenden Kaffee ging es weiter nach Yen Minh. 

 

 

Auf der Strecke weiter Richtung Norden hat man die Möglichkeit noch einen kurzen Schlenker durch einen Pineforest zu machen, irgendwie haben wir die Stelle der Auswahlmöglichkeit verpasst und befanden uns dann eher unfreiwillig im Wald. Doch der kleine Abstecher lohnte sich sehr, denn die Landschaft war hier wieder ganz anders als in den Bergen und Tälern.

 

Nach knapp fünf Stunden sahen wir dann das kleine Städtchen Yen Minh von oben, Gott sei Dank, denn wir waren schon ganz schön durch gefroren, zum Glück hatten wir uns in Hanoi noch zwei weitere Jacken gekauft, ohne diese wäre es fast unmöglich gewesen durch die Kälte zu fahren. Das Städtchen besteht quasi nur aus einer Hauptstraße mit einer Hand voll Hostels, komischen Buden, einem Markt und einer Tankstelle. Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, nach langer Zeit hatten wir mal wieder zwei Betten (manchmal doch ganz schön wenn man eine eigene Decke hat), gönnten wir uns erstmal eine heiße Dusche.

 

Die Suche nach etwas zu essen stellte sich hier als ein wenig schwierig heraus. Es gab genau ein einziges Restaurant welches unseren Vorstellungen so halb entsprach. Für mich gab es Tofu mit Tomatensauce und Reis und einen Burger für Benni. Da es hier eh nicht viel zu sehen gab, legten wir uns mit Heizung und Serie in unsere Betten, eingeschlafen sind wir dann ruckzuck.Nach einem Pancake Frühstück kauften wir noch ein paar Handschuhe und dann ging es für uns wieder auf unsere Suzi. 

 

 

Unsere zweite Etappe führte uns von Yen Minh nach Meo Vac (66 km). Das Wetter war am zweiten Tag überhaupt nicht auf unserer Seite, es regnet fast ununterbrochen und je weiter wir die Berge hinauffuhren umso nebeliger wurde es. Man hat auf der zweiten Etappe die Möglichkeit zum Dorf Lung Cu, dem nördlichsten Punkt Vietnams, zu fahren an dem man sowohl nach China als auch nach Vietnam schauen kann. Relativ schnell entschieden wir uns dagegen, auch wenn wir diese Erfahrung gerne mitgenommen hätten aber das Wetter war einfach viel zu schlecht und wir wollten den zweiten Tag einfach nur hinter uns bringen. Da wir leider eh nicht viel gesehen haben fuhren wir die komplette Strecke fast durch. Das was wir sahen oder was wir erahnen konnten war allerdings atemberaubend.  

 

Nach einem Zwischenstop in Dong Van um uns aufzuwärmen (es gab ein paar Nudeln, einen warmen Tee und Lasagne) fuhren wir den berühmten Ma Pi Leng Pass der einer der schönsten Teile der Strecke sein soll, wir können euch hier leider keine Fotos zeigen oder Erfahrungen mitteilen, denn auf dem Teil der Strecke konnten wir teilweise keine zwei Meter weit gucken.

 

In Meo Vac angekommen machten wir uns erstmal auf die Suche nach einer Unterkunft, denn diesmal hatten wir kein Hotel gebucht. Die einzige Frage die wir jedem Hotel stellten, ob sie eine Heizung haben, dies gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht aber Dank Google Übersetzer ging es und nach dem Dritten Hotel fanden wir ein süßes kleines Motel mit Heizung.

Da wir bis auf die Knochen nass waren mussten wir uns erstmal ein paar Stunden aufwärmen, duschen und irgendwie unsere Sachen trocken kriegen. Da auch Mao Vac für uns nicht wirklich interessant war (der Weg ist hier das Ziel) gingen wir nebenan beim Italiener noch eine Kleinigkeit Essen und dann auch schon wieder ins Bett. 

 

 

Der Wettergott war in diesen Tagen einfach nicht auf unserer Seite, nach acht Monaten Reisen hatten wir drei Tage Dauerregen und Nebel und das bei dieser Tour, aber wir haben das Beste draus gemacht und genossen auch auf der letzten und dritten Etappe ein paar schöne Eindrücke.

 

Von Meo Vac machten wir uns auf die lange Reise wieder Richtung Ha Giang, die längste Etappe auf unserer Tour lag vor uns (150 km). Leider hatten wir nach knapp der Hälfte der Strecke einen Platten, fünf Kilometer vor der nächsten größeren Stadt standen wir mitten im Nirgendwo. Mehr als Hühner die die Straße überquerten und Kinder die ihre Wäsche in einem kleinen Fluss wuschen sahen wir nicht. So ein Mist, ich sah mich schon laufend oder in einem fremden Auto/Roller. Doch aus dem Nichts räusperte sich in einem Haus (wir würden es Verschlag nennen) ein junger Mann, wir zeigten ihm unser Problem und innerhalb von 30 Sekunden hatte er unser Motorrad aufgebockt und den Reifen abmontiert. Das Häuschen glich im inneren einer Art Werkstatt, er hatte wirklich alles, Schläuche, einen Kompressor, Werkzeug in jeglicher Form und eine Menge anderes Zeug. Gott sei Dank, er wollte ganze drei Euro für seine Arbeit haben, unglaublich. 

 

Knapp 80 Km vor unserem Ziel kam dann auch endlich erneut die Sonne raus und brachte uns einen versöhnlichen Abschluss. Entspannt fuhren wir die letzten Kilometer an einem Fluss entlang in Richtung Ha Giang unserem Ausgangspunkt.

 

 

Als Fazit können wir trotz des schlechten Wetters sagen, dass jeder der die Möglichkeit hat diese Tour zu machen, es unbedingt tun sollte. Wir haben schon viel gesehen auf der Welt und können nur erahnen wie die Landschaft und die Umgebung im Norden von Vietnam bei Sonnenschein aussieht. Wir haben uns entschieden irgendwann diese Tour und Region erneut zu besuchen und vielleicht ist der Wettergott dann auf unserer Seite.

 

Mittlerweile sind wir zurück in Hanoi und verbringen die Weihnachts Feiertage in einer kleinen gemütlichen AirBnB Wohnung, erkunden die Stadt und bereiten uns auf die 2700km Tour von Hanoi nach Saigon mit dem Motorrad vor. Ihr könnt also gespannt sein was wir alles noch in Vietnam erleben werden. Das war erst der Anfang.

 

Wir wünschen Allen ein paar besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bis dahin schaut euch die Fotos zu unserer Ha Giang Loop Tour an...

 

JustBackpacker

Now or never

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Kommentare: 1
  • #1

    Sabine (Montag, 20 Januar 2020 14:44)

    Alle Achtung bei dem Wetter so eine Tour �� Und doch habt ihr die Umgebung Positiv rüber gebracht �

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